© Verlag Torsten Low 2019
Yansa Brünnling
Ein König, brennend, sie zu warnen
Yansa Brünnling, die eigentlich Sarah M. Kempen heißt, wurde 1992 in
Hamburg geboren und hat es heute immerhin bis knapp hinter die Stadtgrenze
geschafft. Hier arbeitet sie als freie Drehbuchautorin im Animations- und
Realfilmbereich. Weiterhin schreibt sie Bücher für Kinder und die, die es noch
werden wollen. Sie liebt den Norden und das Meer, den Herbst und seinen
Geruch, alles was nach Blümchen schmeckt, bunte Kleidung, Knöpfe und
Quietscheenten. Einen Geist hat sie zwar noch nicht gesehen, aber sie ist
sicher, dass ihre Wohnung von der rastlosen Seele ihrer toten Lavendelpflanze
heimgesucht wird.
Im Seegrunder See, besser bekannt als Ahlbecker Seegrund, lebt die Gespenstergestalt, die man den Feuerkönig nennt.
Er kommt jedes Mal, wenn ein Sturm aufkommt, auf seinem Kahn über den See gefahren, so dass die Menschen
gewarnt sind. Er trägt eine feurige Rüstung, eine Feuerkrone und ein glühendes Schwert in der Hand. Wer sich nicht in
Sicherheit bringt, sondern in seine Nähe kommt, wird am nächsten Morgen tot aufgefunden.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Meine erste Geschichte habe ich in der 1. Klasse geschrieben. Sie war 3 Sätze lang und beinhaltete 15 Namen. Die erste
richtige Geschichte und der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, entwickelte sich mit 8 Jahren, nachdem mich die
Geschichte einer Kinderserie so gefesselt hatte, dass ich wusste: Sowas will ich auch erfinden! Richtig ernst wurde es
dann erst mit 19, da habe ich das erste Mal beim NaNoWriMo mitgemacht und etwas fertig geschrieben. Seit damals
habe ich mein Handwerk immer weiter verbessert und der Wunsch, Geschichten zu erzählen, ist immer stärker
geworden. Mittlerweile kann ich tatsächlich vom Schreiben leben.
Als Leser: Roman oder Kurzgeschichten?
Ich würde sagen Romane. Da hat man richtig Zeit, sich mit den Figuren zu identifizieren und sich in die Geschichte
saugen zu lassen. Bei Kurzgeschichten bin ich oft traurig, dass es so schnell vorbei ist.
Und als Autor?
Romane, würde ich sagen. Auch, wenn Kurzgeschichten ihren Reiz haben, da man sich auf eine Handlung konzentrieren
kann (und sie sich natürlich schneller schreiben). Aber bei Romanen hat man für alles ein bisschen mehr Zeit und kann
mehr in die Tiefe gehen.
Welche Genres liest du?
Viele Kinder- und Jugendromane. Am allerliebsten mit einer ordentlichen Portion Fantasy, am liebsten Urban Fantasy.
Gerne auch mit viel Witz. Womit ich gar nichts anfangen kann ist dagegen Sci-Fi.
Und in welchen Genres schreibst du?
Das kommt drauf an. Unter meinem Pseudonym – also Yansa Brünnling – schreibe ich jede Art von Fantasy, die meist
düster und schwarzhumorig ist und sich an Erwachsene richtet. Unter meinem Klarnamen - also Sarah M. Kempen -
schreibe ich für Kinder und Jugend. Da ist auch gerne ein phantastisches Element dabei, muss aber nicht. Was mich
allerdings auszeichnet ist der Humor. Ich schreibe gerne und eigentlich immer witzig. „Ein König, brennend, sie zu
warnen“ ist tatsächlich eine Ausnahme, weshalb ich extra stolz auf die Geschichte bin.
Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt?
Ich liebe Geistergeschichten mit wahrem Hintergrund. Mich faszinieren Urbane Legenden und ich höre für mein Leben
gerne True Crime Podcasts und welche, die sich mit Sagen beschäftigen. Die meisten davon spielen sich aber tatsächlich
außerhalb von Deutschland ab. Als ich dann gesehen habe, dass Geschichten gesucht werden, die sich mit „echten“
Sagen aus Deutschland mit Ortsbezug befassen, war ich begeistert. Denn die brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit.
Sich etwas ausdenken kann jeder. Aber sich dabei auf etwas Überliefertes zu berufen, das ist besonders spannend. Mir
war auch gleich klar, dass ich etwas über einen Feuerputz machen muss. Die faszinieren mich so sehr, dass ich sogar
mein Pseudonym passend dazu ausgesucht habe. Brünnling ist ja nur ein anderes Wort dafür.
Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse?
Ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, dass es für alles logische Erklärungen gibt. Hilft mir auch, nicht ins Gruseln zu verfallen.
Aber: Ich bin mir sehr sicher, dass Leute, denen Paranormales widerfährt, auch wirklich etwas passiert ist und dass sie
wirklich etwas gesehen haben. Nur was ist die Frage. Spannend ist es allemal und ich liebe es, mir auszumalen, was
passieren würde, wenn diese Geschichten stimmen würde. Deshalb bin ich schließlich Autorin.
Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt?
Tatsächlich! Ich war vor ein paar Jahren mit ein paar Freundinnen bei befreundeten Schreibkollegen zu Besuch, auf
einem Sommerfest. Diese wohnen aber mitten auf dem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern und das nächstgelegene
Gasthaus war gut 20 Minuten Fahrt entfernt. Also fuhren wir zusammen gegen Mitternacht über die dunklen Landstraßen
mit dem Auto dorthin. Uns begegneten ungewöhnlich viele Tiere, aber keine Menschenseele. Dann, kurz vor dem
Gasthaus, rief die Fahrerin: „Da vorne sitzt ein Nackter!“ Und so war es: Mitten auf der Straße hockte ein nackter, älterer
Mann mit zerzausten Haaren. Er starrte uns an, als wir wie gelähmt vorbei fuhren und wir starrten zurück. Dann erst
kapierten wir, was wir gerade gesehen hatten. Wir kreischten erschrocken, ein paar überlegten kurz, ob wir anhalten und
helfen sollten. Nein – viel zu gruselig! Die Fahrerin war so überrumpelt, dass sie am Gasthaus vorbei fuhr und wenden
musste. Als wir zurückblickten, war der Mann weg. Wir rannten, so schnell wir konnten, auf unsere Zimmer, aus Angst,
er könnte wieder auftauchen. Sicher gibt es ein paar logische Erklärungen. Vielleicht war der Mann geistig verwirrt oder
ist geschlafwandelt. Vielleicht war er aber auch ein Geist. Wir hätten gerne geguckt, ob sein Hemd im Wind wehte, aber
… na ja … er trug ja nun mal keins.
Wie würdest du reagieren, wenn der brennende König dir erscheinen würde?
Oh je. Schreien, weglaufen, noch mehr schreien. Und ganz bestimmt nicht aufs Feld gehen, wie Oz es getan hat.
Vielleicht noch eine Unterkunft für den kommenden Sturm suchen. Wirklich, ich grusele mich mittlerweile vor meiner
eigenen Geschichte!
Wenn dir ein Geist erscheinen würde, würdest du versuchen ihn zu erlösen?
Ich denke schon. Vorausgesetzt, er möchte das. Das muss man ja auch in Betracht ziehen, wäre ja doof, wenn ich gegen
seinen Willen handele. Wenn er versuchen würde, mir zu schaden, wäre das wohl was anderes. Aber einfach, um meine
Ruhe zu haben, wäre das Erlösen wohl notwendig … Wie soll man denn schlafen, wenn ein Geist einem mitten in der
Nacht die Ohren volljammert.
Vielen Dank für das Interview!
Leider gibt es zu dieser Geisterlegende keine Links auf YouTube.
Die Bilderrechte liegen
bei Yansa Brünnling.