© Verlag Torsten Low 2019
Violetta Leiker
Gehüllt in Zeit und Schnee
Violetta Leiker, geboren 1990, absolvierte nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung zur Kauffrau für
Bürokommunikation ein Fernstudium bei der Schule des Schreibens. Vier ihrer Kurzgeschichten wurden bereits in
Anthologien veröffentlicht. Die 29-Jährige lebt mit ihrer Familie in Niedersachsen und widmet ihre freie Zeit den
zahlreichen Büchern in ihren Regalen und dem Erfinden eigener Geschichten.
Die Weiße Frau am Straßenrand gibt es fast überall in Deutschland. Die Geistererscheinungen unterscheiden sich kaum
voneinander.
Hier als Beispiel die Geschichte der Weißen Frau im Ebersberger Forst:
Eine Frau hat auf der Straße einen Unfall und stirbt. In einigen Versionen hatte sie ihre beiden Kinder dabei, die ebenfalls
starben. Der schuldhafte Unfallgegner beging Fahrerflucht. Daher steht die weiße Frau nachts an der Kapelle im
Ebersberger Forst und hält Autos an. Bleibt der Fahrer stehen, steigt sie hinten ins Auto und nach wenigen Kilometer
verschwindet sie. Der Fahrer ist sicher. Fährt der Autofahrer jedoch weiter ohne sie mitzunehmen, so erscheint sie plötzlich
auf dem Rücksitz, so dass sich der Fahrer erschreckt und einen Unfall baut.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Schon in meiner Jugend gab es ein paar Schreibversuche, die jedoch aufgrund von Selbstzweifeln schnell verebbten.
Im Alter von 23 Jahren merkte ich schließlich, dass mich die Arbeit im Büro und die Aufgaben des Alltags nicht
auslasteten. Etwas fehlte. Meine Mutter war es schließlich, die mich auf die Idee brachte, ein Fernstudium zu
absolvieren. Sofort war klar, dass es nur eine Sache gab, die ich erlernen wollte: Das Handwerk des Schreibens. Nach
einem dreijährigen Studium bei der Schule des Schreibens, der Wiederentdeckung einer längst vergessenen
Leidenschaft und der Sammlung zahlreicher Ideen kann ich mir ein Leben ohne das Schreiben gar nicht mehr
vorstellen. Ich habe nach einem Hobby gesucht und stattdessen meine Berufung gefunden.
Als Leser: Roman oder Kurzgeschichten?
Zum größten Teil säumen Romane meine Bücherregale, aber hin und wieder greife ich auch zu
Kurzgeschichtensammlungen, besonders in Zeiten, in denen mich mein zweijähriger Sohn auf Trab hält und die tägliche
Lesezeit knapp bemessen ist.
Und als Autor?
Das Schreiben von Kurzgeschichten fiel mir bisher immer leichter als das von Romanen. Seit 2015 schreibe und
veröffentliche ich Kurzgeschichten in Anthologien und Märchenbüchern und suche regelmäßig nach neuen
Ausschreibungen und Wettbewerben. Mein größter Wunsch ist es aber, irgendwann meinen eigenen Roman in Händen
halten zu können.
Welche Genres liest du?
Fantasy und Young Adult
Und in welchen Genres schreibst du?
Auch beim Schreiben tendiere ich zu Fantasy und Geschichten mit jugendlichen Protagonisten. Entdecke ich jedoch eine
Ausschreibung, die mich anspricht, fließt auch mal ein Märchen für Kinder oder eine Horrorgeschichte aus meiner
"Feder".
Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt?
An der Ausschreibung hat mich besonders der paranormale Aspekt gereizt. Die Idee mit der etwas anderen Frau in
Weiß kam mir recht schnell und es hat großen Spaß gemacht, meine Hauptfigur Tim an der Nase herumzuführen.
Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse?
Ich glaube, dass es Dinge gibt, auf die wir Menschen niemals eine Antwort finden werden. Die Existenz von Geistern ist
eines von vielen Beispielen.
Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt?
Es gibt ein Ereignis in meiner Kindheit, das ich mir bis heute nicht erklären kann. Eine erwachsene, männliche
Silhouette mit leuchtend blauen Augen stand eines Nachts in meinem Kinderzimmer und starrte mich an. Mit meinen
sieben Jahren dachte ich zunächst, dass ich träume. Da Kneifen und Augenreiben nicht geholfen hatte die Erscheinung
zu vertreiben, rief ich schließlich nach meiner Mutter. Sie lief geradewegs durch die Gestalt hindurch, die sich daraufhin
in wabernde Nebelschwaden verwandelte, nur um kurz darauf wieder ihre ursprüngliche Form anzunehmen. Ich schlief
den Rest der Nacht im Bett meiner Eltern. Die Erscheinung tauchte nie wieder auf. Mittlerweile gebe ich meiner
ausgeprägten Fantasie die Schuld an dieser schlaflosen Nacht.
Deine Geschichte handelt über das, was nach dem Tod kommt. Hast du dich länger damit beschäftigt?
Da dieses Thema der Fantasie genügend Spielraum lässt, finde ich es spannend, mir alternative Orte auszudenken, an
denen die Seelen der Verstorbenen sich weiteren Prüfungen unterziehen müssen, um die letzte Etappe ihres Seins zu
erreichen. Ein Jugendbuch zu diesem Thema befindet sich in Planung.
Du fährst nachts allein durch einen Wald. Am Rand steht eine weißgekleidete Anhalterin. Würdest du sie
mitnehmen?
Anfangs würde mir die Anhalterin sicher einen gewaltigen Schrecken einjagen, aber ich denke, dass ich sie dennoch
nicht alleine im düsteren Wald zurücklassen könnte. Ich würde ihr meine Hilfe anbieten.
Vielen Dank für das Interview!