© Verlag Torsten Low 2019

Sandra Lode

Rauhnacht

Über Sandra Lode
Sandra Lode hat bereits mehrere Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht und ist Mitautorin des skurrilen Regionalkrimis “Friesisches Roulette“ (erschienen bei Weltbild unter dem Pseudonym Laura Beer). Sie arbeitet als freie Lektorin und lebt mit ihren beiden Katzen in Speyer.
Die originale Geisterlegende
Es lebte einmal eine Frau namens Gauden, die nichts mehr liebte als die Jagd. So sagte sie einst, dass nicht einmal der Himmel besser wäre als die Jagd und wenn sie nur immer weiter zur Jagd gehen könne, würde sie nur zu gern auf den Himmel verzichten. Auch ihre vierundzwanzig Töchter liebten die Jagd so wie ihre Mutter. Also taten sie es ihr nach und sprachen ebenso. Da verwandelten sich die Töchter vor Frau Gaudens Augen in Jagdhunde, die den Jagdwagen umkläfften. Vier von ihnen übernahmen die Plätze der Pferde, die den Wagen zogen. Von da an streiften sie zwischen Himmel und Erde auf einer immer währenden Jagd umher und bedauerten, dass sie so ketzerisch gesprochen hatten. Aber sie alle müssen das selbstverschuldete Unglück tragen, bis die Stunde ihrer Erlösung kommt. Bis dahin ist es ihnen nur vergönnt, ihre Klagen vor den Ohren der Menschen laut werden zu lassen, das Einzige, worin sie Linderung für ihre Schmerzen suchen und finden. In den Rauhnächten jagt Frau Gauden darum zu den Menschenhäusern hin. Findet sie eine geöffnete Tür, so schickt sie einen ihrer Hunde hinein, der den Bewohnern kein anderes Leid antut, als dass er die ganzen Nächte durch jault, so dass niemand Schlaf findet. Er lässt sich weder beschwichtigen, noch verjagen. Tötet man ihn aber, so verwandelt er sich am Tage in einen Stein, der, wenn auch weggeworfen, durch unsichtbare Gewalt ins Haus zurückkehrt und zur Nachtzeit wieder zum Hunde wird. Der wieder lebendig gewordene Hund aber rächt sich nun, wimmert und winselt zum Entsetzen der Menschen das ganze Jahr hindurch, bringt Krankheit und Sterben über Mensch und Vieh wie Feuergefahr über das Haus, und erst mit der Wiederkehr der Rauhnächte kehrt die Ruhe des Hauses zurück, wenn es bis dahin vor dem völligen Untergang bewahrt blieb.
Interview mit Sandra Lode
Wie bist du zum Schreiben gekommen? Ich habe schon in meiner Kindheit auf Omas alter Schreibmaschine Geschichten und Krimi-Hörspiele verfasst; in der vierten Klasse sogar mal ein kurzes Theaterstück. Das hat sich in meiner Teenagerzeit fortgesetzt (da dann eher in Richtung Liebesgeschichten), ist danach aber etwas in den Hintergrund gerückt. Seit ein paar Jahren schreibe ich wieder regelmäßiger, vor allem Kurzgeschichten. Als Leserin: Roman oder Kurzgeschichten? Ich lese beides gern, aber anteilsmäßig doch mehr Romane. Und als Autorin? Da schreibe ich, wie gesagt, bisher hauptsächlich Kurzgeschichten; einige sind auch schon bei Anthologie- Ausschreibungen ausgewählt und veröffentlicht worden. 2013 habe ich zudem zusammen mit einem Co-Autor einen skurrilen Regionalkrimi geschrieben, der in Ostfriesland spielt und in dem ein kleines Schweinchen namens Jacobus eine tragende Rolle als Ermittler hat („Friesisches Roulette“, veröffentlicht bei Weltbild unter dem gemeinsamen Pseudonym Laura Beer). Welche Genres liest du? Ich bin ein großer Krimi- und Thriller-Fan, aber ich lese auch gerne Fantasy, historische Romane und auch mal die eine oder andere Biografie. Und in welchen Genres schreibst du? Bisher vor allem in den Genres Krimi und Phantastik. Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt? Ich mochte Geister- und Spukgeschichten schon immer sehr gern, daher hat mich die Ausschreibung gleich angesprochen. Gereizt hat mich besonders, dass es darum ging, eine bestehende Geistersage neu zu interpretieren. Mir dazu etwas auszudenken, hat viel Spaß gemacht. Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse? Ich finde das sehr spannend und lese gern darüber oder schaue mir Filme und Serien mit dem Thema an. Ob ich daran glaube ... das muss ich mit „jein“ beantworten. Ich schließe jedenfalls nicht aus, dass es so etwas tatsächlich gibt. Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt? Zumindest noch nichts, was mich die obige Frage eindeutig mit „ja“ beantworten ließe. Würdest du die Tür in den Rauhnächten öffnen? Ich würde sie kurz öffnen, aber nicht offen stehen lassen ... weil es dafür in dieser Jahreszeit viel zu kalt ist. Andererseits, man weiß ja nie ... Was würdest du tun, wenn plötzlich so ein kleiner Hund bei dir auftauchen würde? Ich könnte ihn jedenfalls nicht behalten, da hätten meine beiden Katzen sehr viel dagegen. Hunde, ob große oder kleine, mögen sie leider nicht so gern, da gibt es sofort gesträubte Buckel und Schwänze. Vielen Dank für das Interview!
Eine weitere Sage mit Frau Gauden: https://youtu.be/FLhtyeAY1P4
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Sandra Lode

Rauhnacht

Über Sandra Lode
Sandra Lode hat bereits mehrere Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht und ist Mitautorin des skurrilen Regionalkrimis “Friesisches Roulette“ (erschienen bei Weltbild unter dem Pseudonym Laura Beer). Sie arbeitet als freie Lektorin und lebt mit ihren beiden Katzen in Speyer.
Die originale Geisterlegende
Es lebte einmal eine Frau namens Gauden, die nichts mehr liebte als die Jagd. So sagte sie einst, dass nicht einmal der Himmel besser wäre als die Jagd und wenn sie nur immer weiter zur Jagd gehen könne, würde sie nur zu gern auf den Himmel verzichten. Auch ihre vierundzwanzig Töchter liebten die Jagd so wie ihre Mutter. Also taten sie es ihr nach und sprachen ebenso. Da verwandelten sich die Töchter vor Frau Gaudens Augen in Jagdhunde, die den Jagdwagen umkläfften. Vier von ihnen übernahmen die Plätze der Pferde, die den Wagen zogen. Von da an streiften sie zwischen Himmel und Erde auf einer immer währenden Jagd umher und bedauerten, dass sie so ketzerisch gesprochen hatten. Aber sie alle müssen das selbstverschuldete Unglück tragen, bis die Stunde ihrer Erlösung kommt. Bis dahin ist es ihnen nur vergönnt, ihre Klagen vor den Ohren der Menschen laut werden zu lassen, das Einzige, worin sie Linderung für ihre Schmerzen suchen und finden. In den Rauhnächten jagt Frau Gauden darum zu den Menschenhäusern hin. Findet sie eine geöffnete Tür, so schickt sie einen ihrer Hunde hinein, der den Bewohnern kein anderes Leid antut, als dass er die ganzen Nächte durch jault, so dass niemand Schlaf findet. Er lässt sich weder beschwichtigen, noch verjagen. Tötet man ihn aber, so verwandelt er sich am Tage in einen Stein, der, wenn auch weggeworfen, durch unsichtbare Gewalt ins Haus zurückkehrt und zur Nachtzeit wieder zum Hunde wird. Der wieder lebendig gewordene Hund aber rächt sich nun, wimmert und winselt zum Entsetzen der Menschen das ganze Jahr hindurch, bringt Krankheit und Sterben über Mensch und Vieh wie Feuergefahr über das Haus, und erst mit der Wiederkehr der Rauhnächte kehrt die Ruhe des Hauses zurück, wenn es bis dahin vor dem völligen Untergang bewahrt blieb.
Wie bist du zum Schreiben gekommen? Ich habe schon in meiner Kindheit auf Omas alter Schreibmaschine Geschichten und Krimi-Hörspiele verfasst; in der vierten Klasse sogar mal ein kurzes Theaterstück. Das hat sich in meiner Teenagerzeit fortgesetzt (da dann eher in Richtung Liebesgeschichten), ist danach aber etwas in den Hintergrund gerückt. Seit ein paar Jahren schreibe ich wieder regelmäßiger, vor allem Kurzgeschichten. Als Leserin: Roman oder Kurzgeschichten? Ich lese beides gern, aber anteilsmäßig doch mehr Romane. Und als Autorin? Da schreibe ich, wie gesagt, bisher hauptsächlich Kurzgeschichten; einige sind auch schon bei Anthologie- Ausschreibungen ausgewählt und veröffentlicht worden. 2013 habe ich zudem zusammen mit einem Co-Autor einen skurrilen Regionalkrimi geschrieben, der in Ostfriesland spielt und in dem ein kleines Schweinchen namens Jacobus eine tragende Rolle als Ermittler hat („Friesisches Roulette“, veröffentlicht bei Weltbild unter dem gemeinsamen Pseudonym Laura Beer). Welche Genres liest du? Ich bin ein großer Krimi- und Thriller-Fan, aber ich lese auch gerne Fantasy, historische Romane und auch mal die eine oder andere Biografie. Und in welchen Genres schreibst du? Bisher vor allem in den Genres Krimi und Phantastik. Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt? Ich mochte Geister- und Spukgeschichten schon immer sehr gern, daher hat mich die Ausschreibung gleich angesprochen. Gereizt hat mich besonders, dass es darum ging, eine bestehende Geistersage neu zu interpretieren. Mir dazu etwas auszudenken, hat viel Spaß gemacht. Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse? Ich finde das sehr spannend und lese gern darüber oder schaue mir Filme und Serien mit dem Thema an. Ob ich daran glaube ... das muss ich mit „jein“ beantworten. Ich schließe jedenfalls nicht aus, dass es so etwas tatsächlich gibt. Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt? Zumindest noch nichts, was mich die obige Frage eindeutig mit „ja“ beantworten ließe. Würdest du die Tür in den Rauhnächten öffnen? Ich würde sie kurz öffnen, aber nicht offen stehen lassen ... weil es dafür in dieser Jahreszeit viel zu kalt ist. Andererseits, man weiß ja nie ... Was würdest du tun, wenn plötzlich so ein kleiner Hund bei dir auftauchen würde? Ich könnte ihn jedenfalls nicht behalten, da hätten meine beiden Katzen sehr viel dagegen. Hunde, ob große oder kleine, mögen sie leider nicht so gern, da gibt es sofort gesträubte Buckel und Schwänze. Vielen Dank für das Interview!
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Eine weitere Sage mit Frau Gauden: https://youtu.be/FLhtyeAY1P4
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