© Verlag Torsten Low 2019
Janna Ruth
Der weiße Schleier
Einst erforschte Janna Ruth als Geologin die Plattengrenzen unserer Welt, jetzt
erschafft sie ihre eigenen Welten. 2017 debütierte Janna mit „Tanz der
Feuerblüten“ (Ueberreuter Verlag) und „Im Bann der zertanzten Schuhe“
(Selbstverlag). Für letzteren wurde sie 2018 mit dem SERAPH Phantastikpreis
ausgezeichnet. Mittlerweile wird sie von der Agentur erzähl:perspektive
vertreten, veröffentlicht ihre Urban Fantasy Serie „Ashuan“ und schreibt sich in
zwei Sprachen quer durch die Phantastik. Als wäre das nicht fantastisch
genug, lebt Janna inzwischen mit ihrem Mann und drei Söhnen in Wellington,
Neuseeland, im Herzen Mittelerdes.
Einst soll eine schöne Prinzessin im Köpenicker Schloss gelebt haben. Sie jagte
gerne und verliebte sich in einen Jägersmann, der sie öfters im Schloss
besuche. Um die Heimlichkeit zu wahren, schwamm er auf dem Rückweg
durch den Fluss Dahme bis zur langen Brücke. Dort blickte er zurück und sah
wie die Prinzessin ihm jedes mal mit einem weißen Scheier zum Abschied
winkte. Dies wurde den Liebenden jedoch zum Verhängnis, da einer der
Brüder der Prinzessin dies bemerkte. Zur Strafe ließ er die Prinzessin im
Burgverlies lebendig einmauern. Der Jäger wurde an einem Brückenpfeiler
aufgehängt. Für lange Zeit konnte man in der Nacht einen weißen Schleier
wehen sehen und ein banges Seufzen von der Brücke hören. So nennt man die
Lange Brücke auch die „Seufzerbrücke“.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe schon immer Geschichten erzählt. Erst habe ich sie gezeichnet, dann geschrieben. So richtig ernst wurde es
aber erst 2014, als ich das erste Mal am NaNoWriMo teilnahm und dabei lernte, wie ich tolle Romane nicht nur
anfangen, sondern auch beenden kann. Seitdem betreibe ich das Ganze »professionell«.
Als Leser: Roman oder Kurzgeschichten?
Roman. Ich will mich mit den Figuren identifizieren, mit ihnen Abenteuer erleben, mitfühlen und mitfiebern.
Kurzgeschichten sind zwar auch schön, aber eben … kurz. Dafür kann man mit ihnen tolle Experimente machen.
Und als Autor?
Romane oder Serien. Ich habe ganz selten so richtig kurze Ideen.
Welche Genres liest du?
Fantasy und Coming of Age, und hin und wieder einen Roman der Weltliteratur.
Und in welchen Genres schreibst du?
Ich schreibe mich querbeet durch die Phantastik: von modernen Märchenadaptionen, über Urban Fantasy und Dark
Fantasy zu Steampunk oder sogar Soft Science Fiction ist alles dabei. Hin und wieder packt mich dann ein literarisches
Thema oder ein Slice of Life-Roman.
Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt?
Ich liebe Shows wie Supernatural oder Buffy und ich fand die Idee cool, das Ganze in Deutschland anzusiedeln.
Außerdem war ich schon immer ein großer Sagenfan und diese kleinen Geschichten überall sind super spannend.
Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse?
Ich bin da eher skeptisch. Ich liebe die Geschichten, aber als Wissenschaftler bin ich fest davon überzeugt, dass es für
alles eine Erklärung gibt, selbst wenn sie nicht offensichtlich ist. Früher wussten die Leute zum Beispiel auch nicht,
was es mit den Nordlichtern auf sich hat und sahen sie als Geisterleuchten, heute wissen wir vom Magnetfeld der
Erde, das dieses Phänomen auslöst.
Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt?
Nein, wenn es Geister gibt, verstecken sie sich vor meiner Skepsis. Was nicht heißt, dass es keine gruseligen
Geräusche oder so gab, aber die waren ganz natürlich.
Warst du schon einmal auf der Seufzerbrücke?
Ich bin viele viele Male mit dem Auto drüber gefahren, weil ich als Kind in Marzahn gelebt habe und das der Weg zu
unserem Wochenend-Zeltplatz war. Da kannte ich allerdings noch nicht die Geschichte und die Brücke heißt ja auch
schon lange die Lange Brücke. Als ich beschlossen hatte, darüber zu schreiben, bin ich zum ersten Mal aus dem Grund
hingefahren und tatsächlich mal drüber gelaufen, hab mir das Schloss angesehen und das Ufer.
Wenn ja, hast du sie seufzen gehört?
Leider nicht, aber wir waren auch tagsüber da. Da ist immer so viel Verkehr, dass man so ein Seufzen bestimmt leicht
überhört.
Vielen Dank für das Interview!
Leider gibt es zu dieser Geisterlegende keine Links auf YouTube.
Die Bilderrechte liegen bei Janna Ruth.
Die Bilderrechte liegen bei Janna Ruth.