© Verlag Torsten Low 2019
P.C. Thomas
Das Pfarrhaus des Grauens
Geboren wurde Christine Thomas in Hennef an der Sieg. Schon als Kind schrieb sie für sich selbst die Enden ihrer
Lieblingsbücher um, wenn ihr diese nicht gefielen.
Nach vielen Jahren im Bergischen Land und einem längeren Zwischenstopp in Hessen lebt und arbeitet die Autorin heute
im oberbergischen Nümbrecht.
Ihre bisherigen Veröffentlichungen sind „Ein etwas anderer Weihnachtsengel“ in der Anthologie „Phantastische
Weihnachten“ von Netnovela und „Tod im King's Club“ bei Beyond Affinity. Weitere Veröffentlichungen sind: "Ipuana",
erschienen in "Mysteriöse Orte" beim Verlag der Schatten, "Helenas Erbe" in der Anthologie "Mysteriöse Friedhöfe und
Grabstätten" beim Verlag der Schatten, "Das verschwundene Wasser" , Anthologie "Magischer Tigerwald" im Verlag der
Schatten und Sommer 2019 der Mystery Science Fiction Roman "Stadt unter Glas - Die Privilegierten", ebenfalls im Verlag
der Schatten.
Das Geisterhaus Hohensyburg (bzw. Spukhaus Syburg oder altes Pfarrhaus) liegt in der Nähe der Burgruine Hohensyburg
und dem Stadtteil Syburg. Es war ein leerstehendes altes und teilweise zerstörtes Wohnhaus mit einem bewaldeten 20.000
qm großen Grundstück. Seit 1979 stand es leer. Um es vor Einbrechern zu schützen, wurde es verriegelt und Eingänge
zugemauert.
Im Laufe der Zeit entstanden insbesondere in entsprechenden Internetforen verschiedene Legenden zu diesem Gebäude und
es wurde als Spukhaus bekannt. Eine der bekanntesten Legenden und Ursprung dieser Geschichte ist die eines Pfarrers, der
dort seine Frau und Kinder ermordet haben soll. Weitere Legenden sind z.B. ein kopfloser Reiter und Nonnen, die dort dem
Satan gehuldigt haben sollen. Um Mitternacht soll Blut von den Wänden fließen und im oberen Stockwerk befindet sich den
Legenden nach ein blutbeschmiertes Brautkleid in einem dagelassenen Schrank. Elektrische Geräte sollen in der Nähe des
Gebäudes den Dienst versagen. Laut der Wissenssendung „Welt der Wunder“ gehört das Spukhaus zu den zehn gruseligsten
Orten Europas.
Das Haus verfiel im Laufe der Zeit so stark, dass das Betreten nicht mehr sicher war. Doch die Einsturzgefahr schreckte die
Geisterjäger nicht davon ab, die Ruine unerlaubt zu betreten und sich selbst in Lebensgefahr zu bringen. Zahlreiche Videos
auf beispielsweise YouTube zeugen davon. Auf Druck der Stadt Dortmund wurde das alte Haus aufgrund der Einsturzgefahr
im Oktober 2009 abgerissen.
Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Ich schreibe schon sehr lange. Ja, ich weiß, das sagen viele und ich bin eine davon. Als ich acht oder neun Jahre alt war,
schenkte meine ältere Schwester mir zu Weihnachten ein Buch mit dem Titel „Die Pony-Familie“. Ich liebte dieses Buch, aber
das Ende gefiel mir nicht. Deshalb nahm ich den Schreibblock meiner Mutter, um das Ende neu zu schreiben. Seitdem ließ
mich das Schreiben nie wieder los.
Warum schreibst du Kurzgeschichten?
Kurzgeschichten verfasse ich im Grunde genommen erst seit relativ kurzer Zeit. Sie sind eine Herausforderung für mich, die
ich eigentlich ein Mensch vieler Worte bin. Manche Geschichte benötigt aber nur wenig Worte, um einen Effekt zu erzielen.
Als Leser: Roman oder Kurzgeschichten?
Ich mag beides
Und als Autor?
Wie bereits erwähnt, bin ich ein Mensch vieler Worte. Deshalb sage ich hier ganz klar: Roman.
Welche Genre liest du?
Krimis, Thriller, aber auch Science Fiction, wenn die Geschichte nicht mit zu vielen technischen Beschreibungen gespickt ist.
Für manche Leser gehören Technik und Zukunft zusammen, aber ich bin der Meinung, dass Letzteres auch spannende
Geschichte bieten kann, die nicht Technik-Freaks verstehen.
Und in welchen Genre schreibst du?
Ich drehe die Frage jetzt einfach ein bisschen und sage, was ich nicht schreibe oder schreiben möchte: Liebesgeschichten
und SM Sachen. Das liegt mir nicht. Ansonsten nehme ich die Ideen so, wie sie gerade vorbeifließen.
Gerade in diesen Tagen erscheint mein Science Fiction Roman „Stadt unter Glas – Die Privilegierten“, aber auf dem
Schreibtisch des gleichen Verlags befindet sich gerade das Romanmanuskript eines Mystery - Thrillers, der die Fortsetzung
einer Kurzgeschichte ist.
Was hat dich an der Ausschreibung „Geister der Vergangenheit“ gereizt?
Die Vorgabe klang sehr interessant. Natürlich kannte ich Spukgeschichten, habe mich aber nie damit beschäftigt, welche es
denn in Deutschland so gibt.
Glaubst du selbst an Geister und paranormale Ereignisse?
Ich glaube, dass es zwischen Himmel und Erde viele Dinge gibt, für die wir keine Erklärung finden können.
Wenn ja, hast du selbst schon etwas in der Art erlebt?
Ja, das habe ich. Es war 1982 und der Tag meiner mündlichen Prüfung in der einjährigen Pflegeausbildung war gekommen.
Vor dieser Ausbildung war ich in einem Pflegeheim tätig gewesen und meine dortige Stationsleitung – nennen wir sie
Gertrud - hatte mir viel Wissen im Voraus vermittelt. Sie hatte oft gesagt, sie sähe in mir die Tochter, die sie nicht
bekommen hatte.
Acht Wochen vor der mündlichen Prüfung erfuhr ich, dass Gertrud in Bonn auf dem Venusberg im Sterben lag. Sie war
gerade fünfundvierzig und voller Krebs.
Ich besuchte sie. Ehe ich wieder ging, sagte sie, sie wüsste, dass ich aufgeregt bin wegen der Prüfung, aber sie wäre
überzeugt dass ich das schaffe.
Am Prüfungstag erging es mir wie vielen Prüflingen. Ich saß vor dem Prüfungsraum und hatte das Gefühl, mein Kopf ist leer.
Als ich aufgerufen wurde und in den Raum ging, war Gertrud plötzlich da. Ich habe sie nicht gesehen, aber ihre Anwesenheit
hinter mir gespürt. Sie stand während der gesamten Prüfung hinter mir und verschwand, nachdem ich alle Antworten
(richtig) gegeben hatte.
Wie bist du auf die Geisterlegende um das Pfarrhaus gekommen? Kanntest du sie schon vorher?
Nein, ich kannte sie nicht. Ich stieß während meiner Recherche für die Ausschreibung darauf und sie sprach mich sofort an.
Mein Kopfkino sprang an und präsentierte mir eine Szene den Pfarrer betreffend, auf die ich hier nicht genauer eingehen
möchte. Ich denke aber, wer die Geschichte liest, kommt vielleicht von allein darauf was ich in diesem Moment vor mir
gesehen habe.
Das Pfarrhaus aus deiner Geschichte gibt es leider nicht mehr. Es wurde 2009 abgerissen, weil selbsternannte
Geisterjäger es immer wieder betreten haben, obwohl es einsturzgefährdet war. Das heißt, dass deine
Geschichte vor 2009 spielt. Findest du es richtig, dass es abgerissen wurde?
Es ist natürlich einerseits schade, dass das Haus abgerissen wurde, aber ich verstehe dennoch, dass es keinen anderen Weg
gab. Schließlich musste verhindert werden, dass jemandem etwas auf den Kopf fällt … oder dass vielleicht doch in einer
Vollmondnacht der Pfarrer mit dem Messer auftaucht.
Was denkst du über solche Geisterjäger, die nicht nur fremdes Eigentum betreten, sondern sich auch in Gefahr
bringen? Also solche, wegen denen das alte Pfarrhaus abgerissen wurde?
Es gab schon immer Menschen, die versuchen wollten, das Paranormale zu erklären, die unbedingt einen Beweis für die
Existenz von Geistern finden wollten.
Dass sie sich selbst in Gefahr bringen ist, meiner Meinung nach, ihre eigene Sache. Jeder, der volljährig ist, trägt für sich
selbst die Verantwortung. Er sollte dann aber auch für den Schaden, der ihm widerfahren kann, selbst aufkommen.
Eine andere Sache ist das Betreten fremden Eigentums ohne Erlaubnis. Niemand würde wollen, dass Unbekannte z.B.
einfach im eigenen Garten herumlaufen, nur weil eine Geschichte besagt, dass im alten Gartenhaus ein Geist ein Unwesen
treibt.
Warst du selbst schon an der Stelle, an dem das Pfarrhaus stand?
Nein, dort war ich noch nicht.
Vielen Dank für das Interview!