© Verlag Torsten Low 2019

Sarina Wood

Ghosthunter

Über Sarina Wood
Die gebürtige Berlinerin Sarina Wood brennt für das Schreiben von Geschichten und Gedichten. Ihre erste Veröffentlichung ist die Kurzgeschichte „Sonnenwende“ in der Anthologie „Flucht in ein sicheres Leben“ (Wölfchen Verlag), in der es um die Flüchtlingsthematik analog in einer Fantasywelt geht und die reale Erlebnisse von Flüchtlingen mit einbindet. Sarina Wood ist nicht nur Autorin in dieser Anthologie, sondern auch die Herausgeberin. Die Idee, eine Anthologie mit Geschichten rund um deutsche Geisterlegenden auszuschreiben, kam ihr nach einer Geisterführung in Prag.
Ungefähr im Jahre 1250 gerieten der Pfarrsprengel Haunshofen und der Ort Weilheim in Streit um die Weiderechte des waldigen Gebiets des Hardt. Ein Gericht sollte über das Recht der Viehbeweidung entscheiden und sie gingen dazu in den Hardt. Doch die Streitparteien stritten und schrien, sie tobten und beschimpften sich. Da trat der Teufel selbst aus der Menge hervor und legte einen großen Stein auf den Boden. Dann rief er: „So wahr ich trete in diesen Stein, ist dies Haunshofer G´mein (Gemeinde).“ Mit diesen Worten trat er mit seinem Huf in den Stein und beendete so den Streit. Die Hardtkapelle wurde dann über den Teufelsabdruck gebaut, um sich vor dem Bösen zu schützen. Dort kann man den Stein mit dem Fußabdruck heute noch sehen.  In der Nähe der Hardtkapelle wird oft von vielen verschiedene Geistererscheinungen berichtet und auch sogenannte Geisterfotos sollen häufig dort entstanden sein. Unter den Jugendlichen gilt daher eine Übernachtung bei der Hardtkapelle als Mutprobe. Dabei soll ihnen häufig eine „weiße Frau“ begegnet sein, weswegen viele von ihnen angeblich den Verstand verloren oder gar am nächsten Tag unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Eine weitere Spukgestalt wurde am Kreuzweg, im Wald und an der Straße durch den Hardt immer wieder gesichtet: Die Gestalt mit den rotleuchtenden Augen. Das bemerkenswerte an dieser Spukgestalt ist, dass sie auch von Personen gesehen wurde, die nichts über die Geisterlegenden um die Hardtkapelle wussten. Auch um den Kreuzweg rankt sich eine Legende, wonach man stirbt, wenn man den Kreuzweg rückwärts geht.
Interview mit Sarina Wood
Du bist ja nicht nur Autorin in dieser Anthologie, sondern auch Herausgeberin. Was hat dich zu diesem Thema inspiriert? Wie man schon bei der Ausschreibung und auch auf der Homepage lesen konnte, entstand die Idee bei einer Reise nach Prag. Mein Mann und ich verbrachten das Wochenende in dieser schönen Stadt. Da der Samstag gleichzeitig Halloween war, habe ich als Überraschung eine Geisterführung gebucht. Fast an jeder Ecke der Innenstadt schien ein Gespenst zu warten. Okay, gesehen haben wir keines, sondern den Geschichten gelauscht. Das war sehr faszinierend und interessant. Die Geisterlegenden ließen mich nicht los. Auf der Heimfahrt am Sonntag dachte ich über diese Vielzahl an Geschichten nach und fragte mich, welche Spukgestalten ich aus Deutschland kenne. Spontan fiel mir nur die weiße Frau aus der Plassenburg in Kulmbach ein, da ich kurz vorher dort bei einer Führung von ihr hörte. So viele Gespenster in Prags Innenstadt und in Deutschland so wenige? Das konnte nicht stimmen. Daraus wuchs die Kernidee dieser Anthologie. Und ich wollte sie unbedingt verwirklichen. Aber es fehlte noch etwas… Ja, ich brauchte natürlich noch einen Verlag, der sich bereit erklärte, meine Idee mit mir zu realisieren. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine großen Hoffnungen. Auch wenn ich schon von Anfang an Geschichten schrieb, so hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Veröffentlichung, nachdem ich einen Romanvertrag mit einem kleinen Verlag vor Veröffentlichung aufgelöst hatte. Ich hatte zwar das erste Mal eine meiner Geschichten für eine Anthologie- Ausschreibung eingereicht, doch wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob sie genommen wird. Warum also sollte sich ein Verleger darauf einlassen? Ich brauchte fast einen Monat, bis ich mich durchrang, Torsten Low von meiner Idee zu schreiben. Ich kannte ihn aus einem Forum und von diversen Buchmessen. Und dann passierte etwas, womit ich nicht rechnete: Torsten war von meiner Idee begeistert. Von da an nahm alles seinen Lauf. Auch das Feedback der Autoren fiel sehr positiv aus, auch wenn einige es zeitlich leider nicht geschafft haben, ihre Geschichte fertig zu stellen. Wie war am Ende die Resonanz? Wie viele Geschichten wurden eingereicht? Es wurden 76 Geschichten eingereicht. Wie wurden sie ausgewählt? Am Anfang hatte ich mir ein Bewertungssystem mit 100 möglichen Punkten ausgedacht. Bewertet wurden u.a. der Gruselfaktor, originelle Idee, Ausdruck, und die Rechtschreibung. Dann wurden die Kurzgeschichten ausgedruckt, gelesen und danach beurteilt. Alles über 75 Punkte kam in die nächste Runde. Das waren allerdings die meisten. (Lacht) Da wir eine Anthologie mit Geschichten aus möglichst vielen Bundesländern anvisiert hatten, habe ich die Geschichten nach Ihren Handlungsorten sortiert und gegengelesen. Dann traf ich die Auswahl. Leider sind einige wenige Bundesländer nicht vertreten, weil entweder keine Geschichte eingereicht wurde, oder andere Geschichten einfach für besser gefunden wurden. Aber wir haben dennoch eine gute Mischung, denke ich. Als Autor: Kurzgeschichten oder Roman? Definitiv beides. Kurzgeschichten sind eine tolle Übung und auch eine Herausforderung, eine Geschichte auf nur wenigen Seiten zu erzählen. Zugegeben, als Autor wird man hierzulande nicht gerade reich. Aber die Geschichten machen sehr viel Spaß und sind relativ schnell geschrieben. Ich schreibe sie wahnsinnig gerne. Am liebsten würde ich an mehr Anthologie- Ausschreibungen teilnehmen, doch mir fehlt oft die Zeit, da ich inzwischen auch eine kleine Tochter habe und an Romanprojekten arbeite. Und als Leser? Auch beides. Für schnell mal zwischendurch sind Kurzgeschichten ideal. Ich liebe sie, seit ich als Jugendliche die skurrilen Kurzgeschichten von Roald Dahl las. Leider werden sie in Deutschland oft belächelt. Das ist wirklich sehr schade. Andererseits liebe ich es auch, mich über viele Seiten in eine andere Wirklichkeit hineinzuversetzen und mit den Protagonisten mitzufiebern. Welche Genre liest du? Oha. Das sind einige. Fantasy, Horror, Thriller, Krimi, historische Romane, wahre Geschichten (insbesondere zum Thema Holocaust), Liebesromane … Meine Lieblingsautoren sind beispielsweise Terry Prachett und Stephen King. Im Moment lese ich auch täglich in Kinderbüchern, da meine Tochter nach mir kommt und jeden Tag fordert, dass wir ihr vorlesen. Und in welchen Genre schreibst du? Früher, in meiner Schulzeit, habe ich alles mögliche an Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Als ich dann in die Ausbildung ging, verlor ich das Schreiben eine Weile aus den Augen. Als ich mit einem Studium anfing, begann ich mit meinem ersten Fantasyroman. Inzwischen schreibe ich eine Horrorreihe, die ebenfalls in Deutschland spielt, und an einem Steampunk-Roman. Deine Geschichte „Ghosthunter“ scheint gleichzeitig eine Mahnung zu enthalten… Ja, als ich recherchierte und mir auch gewisse Foren von Geisterjägern angesehen habe, stolperte ich über die Thematik, dass Privatgelände unerlaubt betreten und teilweise sogar verwüstet werden, weil um den Ort eine Geisterlegende im Umlauf ist. Die in meiner Geschichte am Rande angesprochene Verwüstung der anderen Kapelle ist so ein Vorfall. Um diese Kapelle geht es übrigens in der Geschichte „Der Bestseller“ von Thomas Karg. Aber solche Vorfälle machen mich traurig und in mir wuchs die Kernidee meiner eigenen Geschichte. Vielen Dank für das Interview!
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Originale Geisterlegende
© Verlag Torsten Low

Sarina Wood

Ghosthunter

 Über Sarina Wood
Die gebürtige Berlinerin Sarina Wood brennt für das Schreiben von Geschichten und Gedichten. Ihre erste Veröffentlichung ist die Kurzgeschichte „Sonnenwende“ in der Anthologie „Flucht in ein sicheres Leben“ (Wölfchen Verlag), in der es um die Flüchtlingsthematik analog in einer Fantasywelt geht und die reale Erlebnisse von Flüchtlingen mit einbindet. Sarina Wood ist nicht nur Autorin in dieser Anthologie, sondern auch die Herausgeberin. Die Idee, eine Anthologie mit Geschichten rund um deutsche Geisterlegenden auszuschreiben, kam ihr nach einer Geisterführung in Prag.
Originale Geisterlegende
Ungefähr im Jahre 1250 gerieten der Pfarrsprengel Haunshofen und der Ort Weilheim in Streit um die Weiderechte des waldigen Gebiets des Hardt. Ein Gericht sollte über das Recht der Viehbeweidung entscheiden und sie gingen dazu in den Hardt. Doch die Streitparteien stritten und schrien, sie tobten und beschimpften sich. Da trat der Teufel selbst aus der Menge hervor und legte einen großen Stein auf den Boden. Dann rief er: „So wahr ich trete in diesen Stein, ist dies Haunshofer G´mein (Gemeinde).“ Mit diesen Worten trat er mit seinem Huf in den Stein und beendete so den Streit. Die Hardtkapelle wurde dann über den Teufelsabdruck gebaut, um sich vor dem Bösen zu schützen. Dort kann man den Stein mit dem Fußabdruck heute noch sehen.  In der Nähe der Hardtkapelle wird oft von vielen verschiedene Geistererscheinungen berichtet und auch sogenannte Geisterfotos sollen häufig dort entstanden sein. Unter den Jugendlichen gilt daher eine Übernachtung bei der Hardtkapelle als Mutprobe. Dabei soll ihnen häufig eine „weiße Frau“ begegnet sein, weswegen viele von ihnen angeblich den Verstand verloren oder gar am nächsten Tag unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Eine weitere Spukgestalt wurde am Kreuzweg, im Wald und an der Straße durch den Hardt immer wieder gesichtet: Die Gestalt mit den rotleuchtenden Augen. Das bemerkenswerte an dieser Spukgestalt ist, dass sie auch von Personen gesehen wurde, die nichts über die Geisterlegenden um die Hardtkapelle wussten. Auch um den Kreuzweg rankt sich eine Legende, wonach man stirbt, wenn man den Kreuzweg rückwärts geht.
Interview mit Sarina Wood
Du bist ja nicht nur Autorin in dieser Anthologie, sondern auch Herausgeberin. Was hat dich zu diesem Thema inspiriert? Wie man schon bei der Ausschreibung und auch auf der Homepage lesen konnte, entstand die Idee bei einer Reise nach Prag. Mein Mann und ich verbrachten das Wochenende in dieser schönen Stadt. Da der Samstag gleichzeitig Halloween war, habe ich als Überraschung eine Geisterführung gebucht. Fast an jeder Ecke der Innenstadt schien ein Gespenst zu warten. Okay, gesehen haben wir keines, sondern den Geschichten gelauscht. Das war sehr faszinierend und interessant. Die Geisterlegenden ließen mich nicht los. Auf der Heimfahrt am Sonntag dachte ich über diese Vielzahl an Geschichten nach und fragte mich, welche Spukgestalten ich aus Deutschland kenne. Spontan fiel mir nur die weiße Frau aus der Plassenburg in Kulmbach ein, da ich kurz vorher dort bei einer Führung von ihr hörte. So viele Gespenster in Prags Innenstadt und in Deutschland so wenige? Das konnte nicht stimmen. Daraus wuchs die Kernidee dieser Anthologie. Und ich wollte sie unbedingt verwirklichen. Aber es fehlte noch etwas… Ja, ich brauchte natürlich noch einen Verlag, der sich bereit erklärte, meine Idee mit mir zu realisieren. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine großen Hoffnungen. Auch wenn ich schon von Anfang an Geschichten schrieb, so hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Veröffentlichung, nachdem ich einen Romanvertrag mit einem kleinen Verlag vor Veröffentlichung aufgelöst hatte. Ich hatte zwar das erste Mal eine meiner Geschichten für eine Anthologie-Ausschreibung eingereicht, doch wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob sie genommen wird. Warum also sollte sich ein Verleger darauf einlassen? Ich brauchte fast einen Monat, bis ich mich durchrang, Torsten Low von meiner Idee zu schreiben. Ich kannte ihn aus einem Forum und von diversen Buchmessen. Und dann passierte etwas, womit ich nicht rechnete: Torsten war von meiner Idee begeistert. Von da an nahm alles seinen Lauf. Auch das Feedback der Autoren fiel sehr positiv aus, auch wenn einige es zeitlich leider nicht geschafft haben, ihre Geschichte fertig zu stellen. Wie war am Ende die Resonanz? Wie viele Geschichten wurden eingereicht? Es wurden 76 Geschichten eingereicht. Wie wurden sie ausgewählt? Am Anfang hatte ich mir ein Bewertungssystem mit 100 möglichen Punkten ausgedacht. Bewertet wurden u.a. der Gruselfaktor, originelle Idee, Ausdruck, und die Rechtschreibung. Dann wurden die Kurzgeschichten ausgedruckt, gelesen und danach beurteilt. Alles über 75 Punkte kam in die nächste Runde. Das waren allerdings die meisten. (Lacht) Da wir eine Anthologie mit Geschichten aus möglichst vielen Bundesländern anvisiert hatten, habe ich die Geschichten nach Ihren Handlungsorten sortiert und gegengelesen. Dann traf ich die Auswahl. Leider sind einige wenige Bundesländer nicht vertreten, weil entweder keine Geschichte eingereicht wurde, oder andere Geschichten einfach für besser gefunden wurden. Aber wir haben dennoch eine gute Mischung, denke ich. Als Autor: Kurzgeschichten oder Roman? Definitiv beides. Kurzgeschichten sind eine tolle Übung und auch eine Herausforderung, eine Geschichte auf nur wenigen Seiten zu erzählen. Zugegeben, als Autor wird man hierzulande nicht gerade reich. Aber die Geschichten machen sehr viel Spaß und sind relativ schnell geschrieben. Ich schreibe sie wahnsinnig gerne. Am liebsten würde ich an mehr Anthologie-Ausschreibungen teilnehmen, doch mir fehlt oft die Zeit, da ich inzwischen auch eine kleine Tochter habe und an Romanprojekten arbeite. Und als Leser? Auch beides. Für schnell mal zwischendurch sind Kurzgeschichten ideal. Ich liebe sie, seit ich als Jugendliche die skurrilen Kurzgeschichten von Roald Dahl las. Leider werden sie in Deutschland oft belächelt. Das ist wirklich sehr schade. Andererseits liebe ich es auch, mich über viele Seiten in eine andere Wirklichkeit hineinzuversetzen und mit den Protagonisten mitzufiebern. Welche Genre liest du? Oha. Das sind einige. Fantasy, Horror, Thriller, Krimi, historische Romane, wahre Geschichten (insbesondere zum Thema Holocaust), Liebesromane … Meine Lieblingsautoren sind beispielsweise Terry Prachett und Stephen King. Im Moment lese ich auch täglich in Kinderbüchern, da meine Tochter nach mir kommt und jeden Tag fordert, dass wir ihr vorlesen. Und in welchen Genre schreibst du? Früher, in meiner Schulzeit, habe ich alles mögliche an Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Als ich dann in die Ausbildung ging, verlor ich das Schreiben eine Weile aus den Augen. Als ich mit einem Studium anfing, begann ich mit meinem ersten Fantasyroman. Inzwischen schreibe ich eine Horrorreihe, die ebenfalls in Deutschland spielt, und an einem Steampunk-Roman. Deine Geschichte „Ghosthunter“ scheint gleichzeitig eine Mahnung zu enthalten… Ja, als ich recherchierte und mir auch gewisse Foren von Geisterjägern angesehen habe, stolperte ich über die Thematik, dass Privatgelände unerlaubt betreten und teilweise sogar verwüstet werden, weil um den Ort eine Geisterlegende im Umlauf ist. Die in meiner Geschichte am Rande angesprochene Verwüstung der anderen Kapelle ist so ein Vorfall. Um diese Kapelle geht es übrigens in der Geschichte „Der Bestseller“ von Thomas Karg. Aber solche Vorfälle machen mich traurig und in mir wuchs die Kernidee meiner eigenen Geschichte. Vielen Dank für das Interview!
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